„Stranded Assets“ – der Begriff klingt sperrig, beschreibt aber eine der größten Herausforderungen für die Immobilienbranche der kommenden Jahre. Gebäude, die ihre wirtschaftliche Nutzbarkeit verlieren, sind keine Zukunftsvision, sondern Realität in einem Markt, der von ESG-Kriterien, Regulatorik und verändertem Nachfrageverhalten geprägt wird. Wir zeigen, warum Immobilien besonders gefährdet sind, welche Risiken Investoren beachten müssen und welche Chancen Green Asset Management eröffnet.

Unter Stranded Assets versteht man Vermögenswerte, die unerwartet oder vorzeitig an Wert verlieren und dadurch ökonomisch nicht mehr nutzbar sind. Die Ursachen sind vielfältig, von verschärfter Klimapolitik, technologischen Innovationen und Marktumbrüchen, bis hin zu einem verändertem Konsumverhalten von Nutzern.
Stranded Assets sind aber kein neues Phänomen. Denn historisch gab es zahlreiche Beispiele, wie früher englische Kanalsysteme für Frachtschiffe, die nach und nach im 19. Jahrhundert von der Eisenbahn verdrängt wurden. Heute steht die Immobilienwirtschaft im Zentrum dieser Entwicklung, da sie mit ihrem hohen Energieverbrauch und langen Lebenszyklen besonders anfällig für regulatorische Veränderungen und neue ESG-Standards ist.
Inhaltsverzeichnis:
- Warum Immobilien besonders gefährdet sind
- Auswirkungen auf Investoren und Finanzmärkte
- Regulatorische und politische Treiber
- Strategien zur Risikominimierung und Chancen
- Fazit
Warum Immobilien besonders gefährdet sind
„Gebäude sind träge Vermögenswerte – genau das macht sie anfällig für schnellen Wandel.“
Eine der Hauptmerkmale der Immobilienwirtschaft stellen die langen Lebenszyklen dar. In den meisten Fällen werden Gebäude über viele Jahrzehnte genutzt, wodurch sich verändernde Regulierungen und Markttrends einen besonders starken Einfluss haben. Bereits heute erleben Bürogebäude mit veralteten ESG-Standards einen erheblichen Attraktivitätsverlust. Investoren müssen auf der einen Seite die regulatorischen Anforderungen erfüllen und auf der anderen Seite den zunehmenden nachhaltigen Anforderungen der Mieter gerecht werden.
Ein zentrales Problem ist der sogenannte Lock-in-Effekt: Bestände ändern sich nur langsam (jährlicher Gebäudeturnover ca. 2 %). Politische, funktionale und kognitive Lock-ins führen dazu, dass viele nicht nachhaltige Gebäude im Bestand „steckenbleiben“ und auf absehbare Zeit wirtschaftlich unattraktiv werden.

Sobald der CO₂-Ausstoß eines Gebäudes über den zulässigen Pfad hinausgeht, überschreitet es den sogenannten „Stranding Point“ und verliert rapide an Wert. Genau an dieser Schwelle zeigt sich, wie entscheidend frühzeitige Sanierungen und effizienzsteigernde Investitionen sind.
Der Lock-in-Effekt ist zentral: Mit einem jährlichen Gebäudeturnover von rund 2 % bleiben ineffiziente Bestände lange im Markt und geraten bei steigenden ESG-Anforderungen schnell an den „Stranding Point“.
Auswirkungen auf Investoren und Finanzmärkte
„Stranded Assets sind kein Einzelrisiko – sie wirken systemisch.“
Für Eigentümer bedeutet „Stranding“ in erster Linie Wertverlust. Immobilien, die eine mangelnde Energieeffizienz aufweisen oder den regulatorischen Standards nicht entsprechen, sind in der Praxis teurer im Unterhalt und schwieriger zu vermieten oder zu veräußern.
Doch die Risiken reichen weiter, denn auch Kreditgeber sind betroffen. Banken laufen Gefahr, dass Teile Ihrer Assets, wie etwas ineffiziente Bürogebäude, rapide an Wert verlieren. Das erhöht Bonitätsrisiken, wirkt sich auf Kreditratings aus und kann zu Ausfällen führen.
Kapitalmärkte haben längst reagiert: Investoren fordern zunehmend Nachhaltigkeitsstrategien und meiden Portfolios, die stark mit Stranded Assets belastet sind. Damit wird Nachhaltigkeit nicht nur zum Regulierungs-, sondern auch zum Finanzmarktthema.
Wertverluste betreffen nicht nur Eigentümer, sondern auch Banken und Kapitalmärkte: ESG-schwache Immobilien erhöhen Kreditrisiken, verschlechtern Ratings und werden zunehmend aus Investorenportfolios ausgeschlossen.
Regulatorische und politische Treiber
„Regulatorik entscheidet künftig über Nutzbarkeit – nicht nur über Effizienz.“
Ein Treiber von Stranded Assets sind verschärfte regulatorische Rahmenbedingungen. Nationale Gesetze wie das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Deutschland, die europäische Gebäuderichtlinie (EPBD) oder die EU-Taxonomie setzen klare Ziele: Energieeffizienz, Klimaneutralität und Transparenz.
Die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) warnt zudem vor einem massiven „Lock-in“ von Emissionen, wenn weiterhin klimaschädliche Investitionen getätigt werden. Für die Immobilienwirtschaft bedeutet das: Wer heute nicht nachhaltig plant und saniert, sitzt morgen auf Assets, die regulatorisch kaum noch nutzbar sind.
EPBD, EU-Taxonomie und GEG setzen verbindliche Pfade: Immobilien, die diese nicht einhalten, verlieren Marktzugang, Förderfähigkeit und langfristige Wirtschaftlichkeit.
Strategien zur Risikominimierung und Chancen
„Stranded Assets sind kein Schicksal – sie sind eine Managementfrage.“
So groß die Risiken von Stranded Assets sind, so klar ist auch die Tatsache, dass Sie sich aktiv managen lassen. Investoren und Eigentümer haben verschiedene Hebel:
- Risikobewertung & Monitoring: Tools wie die CRREM-Pfade helfen, Portfolios auf Klimarisiken und Dekarbonisierungspflichten zu überprüfen.
- Retrofit & Sanierung: Energieeffizienzmaßnahmen, Modernisierung von Anlagentechnik und Nutzung erneuerbarer Energien verhindern Stranding.
- ESG im Neubau: Wer von Anfang an zukunftsorientiert baut, reduziert Risiken und schafft Wettbewerbsvorteile.
- Finanzierungsstrategien: ESG-konforme Projekte sichern günstigere Finanzierungskonditionen und steigern Investoreninteresse.
- Green Asset Management: Durch aktives Management werden Risiken nicht nur reduziert, sondern auch Chancen genutzt – von Wertsteigerungen über bessere Marktpositionierung bis hin zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen.
Damit zeigen Stranded Assets auch eine positive Seite, denn Sie zwingen die Branche, nachhaltiger zu werden. Kapital kann gezielt in grüne Gebäude und klimafeste Infrastruktur gelenkt werden und damit langfristige Vorteile für Investoren und die Gesellschaft erreichen.
Frühes ESG- und Klimarisikomanagement (z. B. CRREM) ermöglicht gezielte Sanierungen, sichert Finanzierungsvorteile und verwandelt potenzielle Risiken in Wertsteigerungschancen.
Fazit: Stranded Assets als Weckruf
Stranded Assets sind nicht nur ein theoretisches Risiko, sondern eine reale Herausforderung, die die Immobilienmärkte bereits heute prägt. Für Investoren und Eigentümer geht es um mehr als Compliance. Es geht hier darum, den langfristigen Wert von Immobilien zu sichern und gleichzeitig die Weichen für eine nachhaltige Wirtschaft zu stellen.
Grünkern Asset Management unterstützt Investoren dabei, Stranded-Asset-Risiken frühzeitig zu erkennen, Strategien zur Transformation umzusetzen und Immobilienportfolios zukunftsfähig zu machen. Denn wer heute handelt, sichert nicht nur Werte, sondern schafft die Grundlage für nachhaltigen Erfolg.
Erfahren Sie von Grünkern Asset Management, wie Stranded Assets den Immobiliensektor bedrohen und wie Investoren durch ESG-Strategien Risiken minimieren und Werte sichern können.
Autor: GrünKern Redaktionsteam
Veröffentlicht am: 05. Februar 2026


